Was macht Autor Bleiglass, nachdem er sich aus seinem OPINIOblog zurückgezogen hat?
Wir führen per Mail ein Gespräch mit dem beliebten Ex-OPINIO-Autor, das in diesem Artikel nach und nach entstehen wird.
OPINIOblogBLOG: Bleiglass, Sie haben nach nur 10 Monaten den OPINIOblog aufgegeben. Konnten Sie das, was Sie im März 2008 mit markigen Worten angekündigt hatten, nicht verwirklichen?
Bleiglass: Die meisten Ziele, die ich mir mit dem OPINIOblog gesetzt hatte, sind verwirklicht worden. Heute gibt es zwar variationsreichere Top5, aber ich gebe zu, eines konnte ich nicht verhindern: das kontinuierliche Abgleiten von OPINIO in eine provinzielle Trivialität. Es haben sich zwar immer mehr Autoren meiner konstruktiven Kritik angeschlossen, aber sie wählten den Abschied oder setzten sich auf den Gartenzaun, um als passiver Gaffer zu beobachten, wie das Schiff OPINIO immer weiter sinkt. Um die steigende Niveaulosigkeit zu ertragen, wurde das “Perlentauchen” zum grossen Hobby ausgerufen, aber es bleibt fuer mich ein grosser Unterschied, ob ich in kristallklarem Wasser oder in einer klebrigen Kloake nach Perlen tauchen muss.
Ein persönliches Ziel habe ich bestimmt erreicht: Es war für mich sehr unterhaltsam, selten habe ich so breit gegrinst und soviel Spaß am Internet gehabt. Und wer in meinem Impressum genau nachgeschaut hat, konnte dort auch einen Spruch von Oscar Wilde (1854-1900) lesen: The only thing worse than being talked about is not being talked about. Frei übersetzt: Das Einzige, was schlimmer ist, als wenn man über dich redet ist, wenn niemand über dich redet.
Nur wenige haben es verstanden, aber der OPINIOblog unter meiner Regie war eine Art Seifenoper, die ihre Themen meist aus redaktionellen “Steilvorlagen” in OPINIO bekam. So wie Kalkofes Mattscheibe Fernsehsendungen satirisch durch den Kakao zog, hat der OPINIOblog wahre Schenkelklopfer aus OPINIO thematisiert.
Ein weiteres Ziel wurde auch immer erreicht: Ein buntes Publikum hielt dem OPINIOblog die Treue, oft war es wohl auch eine Art Hassliebe. Von der Redaktion, über Honoratioren bis hin zu bekannten und weniger bekannten “Aussteigern”. Pro und Contra lieferten sich hitzige Diskussionen, und der OPINIOblog erzielte pro Artikel Klicks, die nur ein Artikel mit 4-zeiliger DSDS-Überschrift dank Google in OPINIO schaffen kann. Der feine Unterschied jedoch war: Der OPINIOblog wurde gelesen und nicht nur angeklickt, und es wurde kommentiert, bis sich die Balken bogen oder der Anwalt kam.
Bedenke: 10 Monate sind heutzutage eine lange Zeit, da passen ganze RTL-Saisons DSDS und Dschungelcamp rein. Und in OPINIO muss man leider auch feststellen: alle Jahre immer wieder dasselbe Lied. Wirklich neue Impulse oder gar Kreativität gibt es in OPINIO fast gar nicht mehr, auch der gröbste Unfug wiederholt sich. Und wenn mal kein Autor mehr auf ein tot gerittenes Pferd springt, versäumt es eine hilflos agierende Redaktion leider nicht, dazu erneut aufzurufen. Wie peinlich das neuerdings endet, zeigte die “Golden Joe PINIO”-Aktion, bei der sogar linientreue “Redaxxe-Schmuser” die Schnauze gestrichen voll hatten.
Zum Abschluss der ersten Frage noch eines: Ich habe den OPINIOblog nicht aufgegeben, ich habe ihn, wie seit langem geplant, an frische Kräfte übergeben.
OPINIOblogBLOG: Der Freiherr blockt Kommentare die ihm nicht ins Konzept passen, nennt sie gar Spam. Wie stehen Sie dazu?
Jedes Forum lebt doch von Kommentaren, die nicht immer “linientreu” sein müssen.
Bleiglass: Einer der Hauptkritikpunkte an der Redaktion von OPINIO war es immer gewesen, dass sie kritische Artikel ablehnt und Kommentare
löscht. Sie hat sich dabei hinter den von ihr frei und immer wieder anders interpretierten AGB versteckt, im Grunde genommen aber Partei für einzelne Inhalte und Leser ergriffen, und sich damit offen gegen andere ausgesprochen.
Zensur schadet jedem Forum, und ich bin entsetzt, dass der Freiherr jetzt ähnliche Praktiken an den Tag legt. Noch hoffe ich, er tut dies nur zeitlich begrenzt, um den Druck im Dampfkessel etwas zu erhöhen, sollte es aber Politik werden, jetzt auch im OPINIOblog Meinungen zu unterdrücken, müsste ich mich, wenn ich denn tot wäre, wohl sprichwörtlich im Grabe umdrehen.
Unter meiner Regie wurde nie ein Kommentar gelöscht, keine Meinung wurde unterdrückt, und wem es Spaß machte, Dieter Bohlen zu spielen oder sich auf mich einzuschießen, er war im OPINIOblog immer willkommen.
OPINIOblogBLOG: Sie haben von ‘frischen Kräften’ gesprochen. War es dann nicht ein Risiko, den OPINIOblog einem Fremden zu überlassen, der augenscheinlich in OPINIO noch offene Rechnungen zu begleichen hat?
Bleiglass: Im Internet sind wir doch alle “Fremde”. Eigentlich war es
ja geplant, den OPINIOblog aus Spaß zu versteigern, so eine Aktion
kann man über mehrere Wochen ziehen, und dies kann gute Unterhaltung
sein. Leider hat mir “eine bekannte Opinio Autorin” im August 2008 einen Strich durch die Rechnung gemacht, sie hat dieses Projekt “an wen wohl” ausgeplaudert, er hat es sofort publiziert und ich musste mir einen anderen Weg suchen, mein Engagement im OPINIOblog mit einer zumindest kleinen
Überraschung zu beenden. Nun, der Freiherr war wohl fuer viele eine
kleine Überraschung, sogar dieser Blog, der ja eigentlich gegen mich
gerichtet war, wurde dadurch endlich wachgekuesst.
Nein, ein “Risiko” konnte ich gar nicht eingehen, denn einen Blog
abzugeben ist ja nicht viel anderes als sein Auto zu wechseln. Wenn
sie ihren Wagen verkaufen verlangen sie ja auch nicht vom Käufer sein
Flensburger Punktekonto offen zu legen. Wenn er dann ihren alten,
jetzt seinen neuen Wagen gegen den Baum fährt, so what, das ist dann
sein Problem. Selbst faehrt man ja einen neuen Wagen.
Mir ging es um eine Übergabe, um neue, auch andere Inhalte, ohne
irgendwelche Vorschriften oder Erwartungen von mir.
Fortsetzung folgt.